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Warum Singlesein besser ist als sein Ruf, aber nicht so schön, wie ich es gerne hätte.

Aktualisiert: 19. Aug. 2022



Singlesein. Ich mag das Wort nicht.

Habt ihr euch auch schon einmal gefragt, ab wann man eigentlich Single ist? Ab wann bekommt man den Status angeheftet, wenn man noch nie etwas anderes war? Es macht doch kaum Sinn zu sagen, dass man als Single geboren wird. Wenn Teenies mit 14 noch keinen Freund haben, ist man fast erleichtert und die Oberstufe beenden die wenigsten mit einer festen Beziehung, auch wenn die High School Sweetheart Story echt süß ist. Nach und nach wendet sich aber das Blatt und ab Mitte zwanzig wird man als Single zur Ausnahme und die Ausnahme bedarf der Erklärung. Während ich de facto schon immer ohne Partnerschaft war, bin ich gefühlt noch nicht so lange Single. Ich habe mich einfach selbst nicht dazugezählt. Mein Singledasein beginnt, als ich mit 27 gefragt werde, ob ich zum Thema Singlesein eine Predigt halten würde und merke, dass ich das Thema nicht sachkundig aus der Distanz bearbeiten kann. Ich bin Single. Es fühlt sich an wie das Eingeständnis eines Mangels, mit dem ich mich nicht identifizieren möchte. Ich mag das Wort nicht und gebrauche es selten für mein Selbstbild. Ich möchte mich selbst nicht als jemand empfinden, der darüber definiert wird, dass er etwas nicht hat.

Ich bin trotz meines schon seit 32 Jahren andauernden Zustands kein Repräsentant einer Gruppe und meine bei diesem Thema nicht für jemand anderen sprechen zu können, als für mich selbst. Es ist meine Geschichte und die, aus ihr resultierenden Perspektive. Mein Wunsch ist, dass sie dich dennoch bereichert, vielleicht herausfordert, aber vor allen Dingen ermutigt - ganz gleich, ob du dich in ihr irgendwo wiederfindest oder meine Erfahrung dir fremd bleibt.


„Schau dir erst einmal die Welt an.“

Wenn ich meinem 13-jährigen Selbst erzählt hätte, dass sie mit 32 Jahren ihren Traumprinzen nicht gefunden haben wird, hätte sie ihre Zukunft wahrscheinlich nicht gewollt. In ihrer Vorstellung gab es keine Alternativgeschichte zu der Vorstellung, dass man mit Anfang 20 den einen Seelenverwandten findet, mit dem man das eigene Happy Ending erlebt. Ich liebte es als Kind Hochzeit zu spielen und mir mein „und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage“ auszumalen. In meinen Teeniejahren verändert sich mein Fokus und ich lerne mit Jesus eine Liebe kennen, die eine ganz große innere Dunkelheit vertreibt und erlebe eine Freiheit, die ich für nichts in dieser Welt mehr eintauschen möchte. Am Ende meiner Schulzeit sind es die Worte meiner Mutter, die mich das nächste Jahrzehnt begleiten werden. Entgegen der Narrative unserer Prägung gibt sie mir beim Abflug aus dem Nest folgenden Rat: „Ich wünsche dir bevor du in Beziehung gehst, dass du dir zuerst die Welt anschaust.“


Schau dir die Welt an. Ich nehme sie beim Wort und ziehe in die weite Welt hinaus. Ich verbringe die nächsten zehn Jahre mit Studieren, Reisen und Auslandserfahrungen. Ich schließe tiefe Freundschaften, lerne Gott neu kennen und lieben und schließe nach vielen verwirrenden Jahren auch irgendwann mit mir selbst Frieden. Ich verändere mich und finde meine Berufung. Ich beginne mehrfach neu, wage Sprünge und gehe mutig Schritte in unbekannte Richtungen. Ich greife nach den Sternen, erlebe Wunder und finde heraus, wo ich beginne und wo Gott nicht endet. Meine Unabhängigkeit und mein Freiheitsgefühl stets schützenswerte Güter, denn ich weiß um ihren Wert. Ich investiere meine Zeit und meine Energie und spüre dabei kaum einen Mangel. Ich verrenne mich irgendwann in meinem Aktionismus und spüre irgendwann überhaupt nichts mehr. Ich verliebe mich, erlebe Herzschmerz und entscheide mich das Thema auszublenden. In Freundschaften blühe ich dafür auf und begegne Männern und Frauen, die Vorbilder und jahrlange Wegbegleiter für mich werden. Eine Beziehung scheint mir wenig erstrebenswert, in meiner Erfahrung sind Pärchen die langweiligen. Es sind die, die um 10 von der Party gehen und ihren Mikrokosmos kultivieren. Tauschen würde ich nicht wollen. Mit 25 starte ich nochmal neu und studiere Theologie. Ich entdecke eine Leidenschaft und neue Lebensträume. Hinterfrage mich selbst, Gott und alles, was ich bisher geglaubt habe und versöhne mich neu mit der Kirche. Ich entdecke bei Gott eine Weite, auf die ich nicht zu hoffen gewagt habe. Ich fühle mich selbstbewusst, frei, unabhängig und liebe mein Leben. Es sind Jahre des Aufblühens, des pulsierend bunten Lebens, nicht ohne Herausforderung, aber in der Summe ein Abenteuer, das ich nicht missen möchte. Ich weiß für mich, dass ich mit Anfang 20 eine ganz andere Partnerwahl getroffen hätte, als ich das mit 32 tun würde und es stimmt mich dankbar, dass es nicht dazu kam. Ich blicke auf meine 20er und bin zufrieden mit dem was ich lernen, sehen und verändern durfte. Die Freiheit zu spüren, nach der ich mich, seit ich denken kann, gesehnt habe, ist ein Geschenk Gottes und das Ziel einer langen Reise


Die Lücke in meinem Herzen.

Ich konnte und wollte mir die Sehnsucht nach einem Partner lange nicht eingestehen. Zu gerne hätte ich meine Geschichte als die starke, unabhängige Person weitergeschrieben, die ich in mir vermuten und sehen wollte. Ich wollte es erleben, dass ich eben keinen Prinzen brauche, dass die Alternativgeschichte zu Hollywood aufgeht und die Worte von Paulus, dass es das Beste ist „unverheiratet zu bleiben“ sich in meinem Leben bewahrheiten. Es fühlte sich an zu versagen, als ich entdecke, dass ich mich nach einem Partner sehne. Es fühlte sich hilflos und klein an, dass sich hinter meiner abgeklärten Schale Verletzungen, Ängste und Selbstzweifel verbargen. Ich hatte mir selbst und der Welt versucht weiß zu machen, dass ich keinen Partner will und suche und fühlte mich, als hätte ich mich selbst verarscht. Ich hätte mich gerne irgendwie damit arrangiert und das Thema abgehakt. Gabe der Ehelosigkeit oder so. Inspirierende Vorbilder blieben unverheiratet. Jesus, Paulus, Dietrich Bonhoeffer, Mutter Theresa. Drei davon starben einen grausamen Tod, fällt mir beim Aufschreiben auf. Okay, das ist mir dann doch zu krass. Ich gehöre nicht zu den starken Menschen, die da überzeugt durchmarschieren, aber vielleicht gibt es die auch gar nicht.


Die Wahrheit ist, dass ich neben der Zufriedenheit in meinem Leben auch der Tatsache ins Gesicht blicken musste, dass ich eine unerfüllte Sehnsucht nach einem Partner habe. Mit der Sehnsucht spürte ich Verzweiflung, dass es ihn nicht geben wird. Diese Erkenntnis brachte eine Traurigkeit auf, die sich in wiederkehrenden Wellen aufbäumt und meinen Alltag zu überschwemmen droht. Bis vor einiger Zeit bin ich sehr gerne auf Hochzeiten gegangen, denn ich liebe Feste – die feierliche Stimmung, den Anlass sich schick zu machen, die Deko, das Feiern mit Freunden und Familie, das Essen, die persönliche Handschrift zweier Menschen, die sich lieben. Hochzeiten sind mittlerweile oftmals eher einsame Erfahrungen, in denen man sich inmitten einer großen Gruppe verloren fühlen kann. Wenn sich rechts und links alle romantisch aneinander lehnen, man beim Paartanz froh ist über das Getränk in den Händen an dem man sich festhalten kann und man sich beim Brautstraußwerfen nach draußen schleicht. Immerhin habe ich in diesem Leben bereits fünf gefangen und einen weiteren Vorführmoment zu „All the Single ladies“ kann ich mir sparen. Ich hatte es nicht kommen sehen, als ich mich zum ersten Mal einsam auf einer Hochzeit fühle, irgendwie fehl am Platze bin und auf der Heimfahrt die Tränen über meine Wangen kullern. Es ist eine schmerzhafte Erkenntnis, dass sich Singlesein mit 32 anders anfühlt als mit 27, geschweige denn mit 21. Es fühlt sich nicht nur anders an, sondern vieles ist auch anders. Die meisten meiner Freunde in meinem Alter sind längst verheiratet, bauen Häuser, bekommen ihr fünftes Kind, planen Einschulungen und streiten über Kinderimpfungen. Man fühlt sich zunehmend in der Rolle des Beobachters, der in der zweiten Reihe steht oder in die zweite Reihe versetzt wird. Man organisiert Junggesellinnenabschiede, hilft beim Traurringe und Brautkleid aussuchen, bastelt ausgefallene Hochzeitsdeko und quetscht sich in die gewünschte Trauzeuginnenkleidfarbe. Man kauft Babyklamotten, googelt Spiele für Babyshowers und verschenkt Gutscheine fürs Kinderhüten. Es versetzt einen Stich, wenn man in einer Traupredigt hört, dass die Braut nun endlich jemanden hat, der sie liebt, wie sie ist, wenn man als Freundin seit Jahren das Gleiche versucht hat. Es fühlt sich nicht schön an, dass Freundschaften auseinandergehen, wenn Partnerschaften dazukommen. Da gibt es ganz viele Gefühle, die man so gerne verdrängen möchte. Neid, Ärger, Einsamkeit, Ängste. Sich einzugestehen, dass man vielleicht manchmal nicht so gerne Single ist, ist gar nicht so leicht. Die beste Freundin nun mit einem Kerl zu teilen auch nicht. Auch die übernächste Lebensphase alleine zu planen, daran will ich gar nicht denken. Die ausbleibende Bestätigung eines männlichen Gegenübers. Der Kinderwunsch in weiter Ferne. Die Sehnsucht nach Intimität, die Angst vor der Einsamkeit, die Lügen vergangener Verletzungen bilden eine schneidende Front. Der Wunsch für jemanden, die Eine zu sein, besonders, einzigartig, begehrenswert, gewollt zu werden. Seit ein paar Jahren fühlt sich das Singlesein schwerer an. Einsamer und die leere Bettseite neben mir wirkt zunehmend kälter. An manchen Tagen wird der Schmerz groß, die Optionen schrumpfen in sich zusammen und die Hoffnung auf ein Happy End fängt am Horizont an zu bröckeln.


Auf der Suche nach Glück.

Beide Erfahrungen sind echt, wenn auch nicht immer so überspitzt, und bilden verwoben ineinander meinen Alltag. Meine Zufriedenheit ist echt, mein Mangel allerdings auch. Als ich im Mai diesen Jahres die Predigt zu Psalm 23 halten soll, komme ich kaum über den ersten Vers hinweg.

„Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“

Ich bin wütend und allein und verbringen einige Tage grummelnd, dass es mir aber mangelt. Ich fühle mich übergangen und es ist kein schönes Gefühl.


Und während mir auf der einen Seite die Geschichte erzählt wird, dass eine Partnerschaft die Lösung für meine Sehnsüchte ist und überhaupt jeder Mangel und jeder Schmerz einfach nur Linderung braucht, so liegt in der Anerkennung meines Mangels für mich ein Geheimnis Gottes, dass über diese einfache Storyline hinausreicht.


Gottes Wahrheit ist, dass selbst ein Leben mit Mangel kein mangelhaftes Leben ist. Dass selbst eine Leerstelle in meinem Leben nicht alles überschatten kann und muss. Ganz im Gegenteil sogar, diese Leerstelle kann sogar zu einer Freiheit werden, als Geschenk gebraucht werden. Nicht weil es sich immer nur schön anfühlt, aber weil Gott keine hässlichen Sachen schenkt.


Ich erlebe das immer wieder aufs Neue, dass sich in meinem Leben Schönheit eröffnet, wo ich sie nicht erwartet habe. Dass mir Trost und Freude geschenkt wird, wo ich überrascht werde. Dass Gott sich in meinem Leben und gerade auch in meinen unerfüllten Sehnsüchten und Wünschen als jemand zeigt, der mein Leben mit tiefem echten Frieden füllt, selbst wenn sich Umstände nicht magisch auflösen.


Gott hat meine Mai-Krise nicht so gelöst, wie ich es mir gewünscht hätte.

Aber Gott hat sie gelöst.


Der Psalm 23 endet mit dem Satz:

„Nur Güte und Gnade werden mich umgeben alle Tage meines Lebens.“

In anderen Übersetzungen heißt es, sie wird mir folgen, mir nachjagen. Ich finde es absolut krass, dass Gott verheißt, dass mich seine Güte und seine Gnade jeden einzelnen Tag meines Lebens finden werden und ich damit rechnen darf.


Ist es nicht ein unglaubliches Privileg, das zu erleben, von dem ich glaube, dass es wahr ist? Dass bei Jesus wirklich das Leben zu finden ist, wonach ich mich zutiefst sehne?


„Du bist der glücklichste Single, den ich kenne.“

Ehrlich gesagt, höre ich das öfter. Ich weiß, dass es als Kompliment gemeint ist, aber gleichzeitig habe ich den Impuls mich erklären zu müssen. Ehrlich gesagt kenne ich wenige richtig unglückliche Singles, allerdings kenne ich mittlerweile auch nicht mehr so viele. Ich kenne aber auch unglückliche Pärchen. Es scheint mir schlüssig, dass sich der „Glückszustand“ des jeweiligen Menschen wenig allein am Status festmacht. „Für einen Single bist du schon echt glücklich“ suggeriert mir, dass es quasi als Leistung gesehen wird mit einem deklarierten Mangelzustand gut zurechtzukommen. Die Sätze „für ne verheiratete Person bist du echt ganz schon glücklich“ oder „dafür, dass du Kinder hast bist du echt ganz schön glücklich“ fallen hingegen viel seltener, weil sie viel mehr der gesellschaftlichen Erwartung entsprechen.

Irgendwie scheint Glück und Zufriedenheit nicht zwangsläufig mit dem Status einherzugehen. Das scheint auf den ersten Blickt erstmal irgendwie offensichtlich, aber es hilft sich das manchmal vor Augen zu führen. Es gibt Menschen ohne liebenden Partner, die zufrieden sind. Es gibt Menschen mit liebenden Partner, die unzufrieden sind. Es gibt Menschen, mit und ohne Kinder, die zufrieden sind und Menschen mit und ohne Kinder, die unzufrieden sind. Das Spiel lässt sich unendlich lang fortführen. Es gibt Menschen, die scheinbar alles haben, aber innerlich nicht zur Ruhe kommen. Ihr Mangel verschiebt sich einfach. Wenn ich doch nur einen Partner hätte, wenn ich endlich verheiratet wäre, wenn ich Kinder hätte, wenn ich endlich ein eigenes Haus hätte, wenn die Kinder endlich größer wären, wenn die Kinder aus dem Haus wären, wenn wir mehr Geld hätten, wenn mein Partner anders wäre, wenn die Jahre zur Rente schon um wären.


Wenn, wenn, wenn…


Wir möchten alle glücklich sein und unserem Mangel und unserer Sehnsucht Abhilfe schaffen. Doch die meisten Dinge in diesem Leben sind unpassend unser Glücksloch zu stopfen. Sie fallen durch, wie zu kleine Teile in dem Kindersteckspiel.

Doch vielleicht ist ein Leben, in dem man Mangel erfährt, gar kein mangelhaftes Leben, sondern die Regel - und Erfüllung nicht nur da zu finden, wo jeder Mangel gestillt ist.

„Du hast ja Gott“ und andere Tipps…

Das stimmt und ich erlebe auch, dass Gott mir in allem Frieden und Zufriedenheit schenken kann, selbst in Situationen, die mir dafür als unwahrscheinlich schienen. Doch so mancher Trost und so mancher Tipp verfehlen ihr Ziel.

„Vielleicht bist du noch nicht fertig. Vielleicht hat Gott was ganz Besonderes mit dir vor. Wenn man es am wenigsten erwartet, passiert es. Vielleicht hast du zu hohe Ansprüche. Vielleicht stimmt mit dir was nicht. Vielleicht solltest du was Neues ausprobieren. Vielleicht kennst du ihn schon. Du bist auch nicht mehr die Jüngste.“

Möglich, ja vielleicht. Vermutlich. Die Mutmaßungen und Vorschläge, warum ich noch Single bin, sind selten hilfreich. Gibt es Gründe, weshalb ich noch Single bin? Bestimmt. Manche mehr oder weniger in meiner Kontrolle. Der Versuch das in einen logischen Zusammenhang zu bringen, kann nur scheitern und füttert Ängste, die ich nicht nähren möchte. Zu selbstbewusst? Zu wenig initiativ? Zu beschäftigt? Zu stark? Zu wenig attraktiv? Zu feministisch? Zu fromm? Bewege ich mich in einem ständigen Ausloten zwischen „zu viel“ und „zu wenig“? Keine Angst du bist nicht die erste Person, die vorschlägt, dass ich vielleicht was falsch mache. Der Gedanke kommt mir sogar von selbst. Und es stimmt ich mache nicht alles richtig, aber ein Partner ist nicht die Belohnung dafür, dass ich brav war und Gott ist nicht der Weihnachtsmann. Ich brauche keine Erklärung, kein Mitleid und keine Tipps. Ich brauche die Anerkennung, dass es manchmal schmerzt und die Erinnerung, dass Gott mich einlädt seiner Geschichte mehr Glauben zu schenken, als den Stimmen in mir und um mich herum. Ich brauche keine Angst zu haben, denn er wird an jedem Tag meines Lebens mit seiner Güte und Gnade auf mich warten. Meine Sehnsucht findet bei ihm ihr Zuhause, für heute und für immer. Ich erlebe, dass mein Blick sich von dem Mangel immer wieder löst und Gott mich in die Freiheit führt. Ich erlebe, wie er Zufriedenheit und Hoffnung gibt, die von seiner Ewigkeit herrührt und mich erinnern, dass ich für eine andere Welt geschaffen bin. Theologisch sind beide Entwürfe gut und wertvoll, wenn sie auf Gott ausgerichtet sind. Es gibt keine Verheißung, dass es für jede Person das passende Gegenstück gibt und wir brauchen für unsere Gesellschaft und Kirchen eine Kultur, die mit unterschiedlichen Lebensentwürfen rechnet und keine Gruppe marginalisiert. Dafür braucht es ganz viel Liebe im Miteinander, sensible Kommunikation und einen weiten Horizont, damit uns das gelingt. Wir brauchen Kirchen, die das Evangelium predigen und nicht als Advokaten für Disney fungieren.


Ich wünsche mir dennoch einen Partner...

Am Ende des Tages ist der Wunsch nach einem Partner nicht weg, auch wenn er meinen Alltag nicht dominiert. Ich wünsche mir einen Partner, nicht weil ich unglücklich bin, aber weil es sich auf Hochzeiten schöner zusammen tanzt. Ich wünsche mir einen Partner nicht mehr, weil ich Angst vor dem Alleinsein habe, sondern weil ich abends gerne mit jemandem die Zähne putzen möchte und die Brötchen am Samstagmorgen mit jemanden teilen will. Ich wünsche mir einen Partner, der mir sagt, dass er mich schön findet. Nicht weil ich es nicht selbst auch glauben muss, sondern weil es echter klingt, wenn es jemand laut sagt. Ich wünsche mir einen Partner an meiner Seite, weil das Leben hart ist und ich es nicht alleine bewältigen will. Ich wünsche mir einen Partner, weil ich lernen möchte in einer Beziehung zu bleiben, auch wenn schwer ist und weil ich selbst etwas zu geben habe. Ich wünsche mir einen Partner, der Jesus liebt und wir gemeinsam erleben, was das bedeutet.


…und glaube gleichzeitig, dass es okay ist, wenn er nicht kommt.

Das Leben ist kein Wunschkonzert, aber die Musik, die zu meinem Leben läuft, ist gar nicht schlecht. Ich habe mir so manches nicht ausgesucht, mir diese Lebensphase anders ausgemalt und werde dennoch positiv überrascht. Ich schätze, was ich habe und bete für das, was mir fehlt.

Meine Gefühle und Gedanken lassen sich in diesem Thema nicht fein säuberlich sortieren. Sie bleiben irgendwie wild, aber auch lebendig. Und im Auflösen von Spannungsfeldern entstehen Ideologien, die nicht hilfreich sind.


Ich träume, ich ringe, ich bete und glaube an einen Gott, der mein Leben in seinen Händen hält und meine Geschichte gut zu Ende schreibt.


Ich würde meinem 13-Jährigen Selbst gerne erzählen, dass ihr Leben mit 32 gut ist. Dass sie zufrieden sein wird, dass sie Wunder erleben werden wird, dass sie ihre Berufung lebt und ihr das ziemlich viel bedeuten wird. Es wird nicht alles leicht und rosig sein, denn so ist das Leben nicht. Es wird sich aber so lohnen, denn es wird gut werden. Sie wird ihr Leben lieben, weil Gott gut ist und gute Dinge für sie vorbereitet hat. Und sie wird unendlich geliebt sein.


Zuallererst von Gott selbst.

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