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  • Autorenbildfraeulein_franzi

Kapitel 8: Gewissensbisse.

Aktualisiert: 26. März 2021



Sie brach in Tränen aus, als sie mir ihr Verbrechen beichtete. Es ist bereits zehn Jahre her und dennoch ist das Gefühl nie ganz verschwunden. Sie hatte aus Versehen nach einem Gemeindepicknick die falsche Tupperschüssel eingepackt und dann vergessen sie zurückzubringen. Immer mal wieder fiel es ihr ein, wenn Sie die Schüssel bei sich sah. Irgendwann zog sie in eine andere Stadt, Jahre vergingen und doch geriet die Schüssel nie so ganz in Vergessenheit. Zehn Jahre nach dem Ereignis, sitzt sie mit ihrem sensiblen Gewissen auf meiner Couch und weint, weil sie zum ersten Mal ausspricht, dass sie eine Diebin sei.


Wie hättest du reagiert?


Ich hoffe, dass mir in dem Moment nicht die Gesichtszüge entgleist sind und ich nicht vor Erleichterung anfing zu lächeln. Gleichzeitig tat sie mir leid, weil sie aufgrund eines aus meiner Perspektiven völlig unschuldigen Versehens, seit Jahren ein schlechtes Gewissen mit sich trug. Ich fragte mich, wie ich eigentlich ruhig schlafen kann, wenn ich bei so mancher Tupper in meinem Schrank nicht weiß, ob sie nicht eigentlich meiner Mutter gehört? #bisschenselbstironieistdabei


Die Realität ist, dass das Gewissen nicht zwangsläufig mit der Tat eines Menschen einhergeht. Menschen geraten aufgrund völlig unterschiedlicher Auslöser in Gewissenskonflikte, und während sich einer wegen eines Versehens selbst verurteilt, schläft so mancher Straftäter nachts völlig selig.


Unser Gewissen hängt mit unserer Persönlichkeit, unserem Gottesbild, unseren Erfahrungen und unserer Prägung zusammen. Ein Gewissen kann sensibler werden, freier werden oder auch abstumpfen.

Ich kann mir vorstellen, dass Paulus Gewissen kein überempfindliches war. In seiner Vergangenheit schien er keine Gewissensbisse zu haben Menschen aufgrund ihres Glaubens kaltblütig ins Gefängnis stecken oder sogar umbringen zu lassen. Man könnte meinen, dass Paulus seitdem ein schlechtes Gewissen verfolgt und er in Abbitte seinen Dienst tut. Doch während sein Gewissen weder ein empfindliches, noch ein abgestumpftes war, so ist es doch ein befreites. Paulus ist sich seiner Taten sehr bewusst, aber seine Vergangenheit bestimmt nicht länger sein Dasein.


Ein befreites Gewissen resultiert aus der Anerkennung, dass Gottes Aussagen wirklich gelten. Wir dürfen angstfrei leben, weil es einen Gott gibt, der vergibt, der gnädig ist und uns Verantwortung aufs Neue zumutet.


Es ist ein Prozess zu erleben, dass es wirklich Freiheit für mich gibt und ich nicht in Ängsten, Sünden und engen Mustern gefangen bleiben muss. Paulus wünscht uns allen, dass wir aus der Anerkennung Gottes diese Konsequenz ziehen (V.7).

„Doch bloßes Wissen macht überheblich. Was uns wirklich voran bringt, ist die Liebe.“ (V.1b)

Die eigene Freiheit soll nicht dazu gebraucht werden andere Menschen in ihrem empfindlicheren Gewissen zu überfahren. Wir werden aufgefordert aus Rücksicht und Liebe zum Anderen zu leben. Ihn nicht überfordern und verletzen, in dem wir seine Gewissenskonflikte abtun oder aufblasen.

„Lieber will ich mein ganzes Leben lang auf Fleisch verzichten, als dass eines von meinen Geschwistern durch mich zu einer Sünde verführt wird.“ (V.13b)

Gar nicht so leicht, oder?


FRAGEN

Wie äußert sich dein Gewissen?

Bei welchen Themen hast du ein befreites Gewissen, bei welchen ein empfindliches Gewissen?

Wie kannst du jemandem helfen, der in einem Bereich ein empfindlicheres Gewissen hat als du?

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