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Kapitel 3: Milchmenschen.

Aktualisiert: 26. März 2021


„Milch habe ich euch gegeben, keine feste Nahrung, weil ihr die noch nicht vertragen konntet.“ (V.2)

Bei Milch muss ich unwillkürlich an meinen Vater denken. Seit ich mich erinnern kann trinkt er jeden Morgen aus einer riesigen Tasse warme Milch zum Frühstück. Die pseudowissenschaftlichen Kommentare seiner Kinder zu erhöhtem Milchkonsum und dessen Risiken, erträgt er gelassen.


Ich bezweifle, dass Paulus die Frage, ob Milchkonsum für Erwachsene nun schädlich oder unbedenklich ist, bedeutsam gefunden hätte. Bei dem Milchbild liegt der Fokus darauf, dass die Milch für eine frühkindliche Phase die beste Nahrung ist, weil es das Kind im Wachstumsprozess mit allem versorgt, was es dafür braucht. Gleichzeitig ist es Symbol für ein unreifes Stadium. Unreife ist bei Kindern absolut nicht negativ, sondern der Lebensphase angemessen, während sich Unreife bei Erwachsenen als auffallend negativ äußert.


Im Kern kritisiert Paulus, dass die Korinther mit ihren Streitigkeiten und Rivalitäten ein unreifes, ihrem Stadium nicht angemessenes, Verhalten an den Tag legen. Unter ihnen dominiert ein kindlicher Egoismus, der vielleicht irgendwann zu Beginn ihrer Reise als Kinder Gottes okay war, aber in ihrem Glaubensleben von Paulus nun als geistliche Entwicklungsverzögerung angeprangert wird.


Es sind für niemanden bequeme Fragen, die Paulus auf sein Papyrus kritzelt:

„Oder wird euer Leben etwa von Geist Gottes regiert, solange noch Rivalität und Streit unter euch herrschen?“ (V. 3)

Puh, Paulus ist sicher vieles, aber manchmal schon auch sehr direkt.


Gottes Geist steht für Einheit, für das gemeinsame Ziel und für das Gute und Schöne, was Gott tun möchte. Menschen, die sich von Gottes Geist leiten lassen, streben dem nach. Paulus sieht da große Mängel bei den Adressaten. Unreife Menschen machen sich abhängig – von ihren Erfolgen oder auch Misserfolgen, von den Meinungen und Errungenschaften anderer. Sie verharren in engstirnigen Denkmustern und reagieren gemäß ihrer Ängste, Neigungen und Sehnsüchte.


Es ist nicht schön, wenn man in seinen unreifen Mustern entlarvt wird. Es geht Paulus aber gar nicht einfach um das Aufdecken, sondern er hat einen tiefen Wunsch nach Veränderung und Neuausrichtung. Um ihrer und unsrer selbst Willen und um Gottes Willen.


Der Weg, den Gott uns weist führt in die Freiheit. Reife Menschen sind frei, weil sie wissen, wer sie sind und wer sie nicht sein müssen. Reife Menschen können mit einer Großzügigkeit und Offenheit leben, weil sie keine Angst haben zu kurz zu kommen.


Paulus Vision dieser Weite liest sich so:


„Alles gehört doch euch, […] die Welt, das Leben und der Tod, die Gegenwart und die Zukunft – alles gehört euch. Ihr selbst aber gehört Christus.“ (V. 22+23)

Wie lebt man, wenn einem die Welt gehört?


Wie lebt man, wenn man zu Christus gehört?


B U C H T I P P:

Ein herrliches Buch seinen eigenen unreifen Mustern auf die Schliche zu kommen:

„Die Kunst des reifen Handelns“ von Thomas Härry

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