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Staat und Jesus. [Römer 13]

Aktualisiert: 26. März 2021


„Erweist Respekt, dem Respekt zusteht, und erweist Ehre, dem Ehre zusteht.“ V.7


Doch wem stehen Respekt und Ehre zu?

Muss man sich Respekt verdienen oder bekommt man ihn verliehen?


Paulus beginnt dieses Kapitel mit der relativ pauschalen Aufforderung, dass man sich der eigenen Regierung „unterordnen“ soll. Ich bin sicher nicht die Einzige, bei der, vor dem Hintergrund ihres Geschichtsbewusstseins, so einige Alarmglocken zu schrillen beginnen.


Was bedeutet unterordnen? Was ist mit Unrechtstaaten? Was soll das heißen, dass eine Regierung von Gott eingesetzt ist? Was ist, wenn ich komplett anderer Meinung als meine Regierung bin? Was ist mit Demonstrationen? Und zivilem Ungehorsam?


Das lässt sich nicht in wenigen Zeilen erschöpfen, aber ich meine, dass Paulus ein paar Ausgangspunkte markiert:

Die Aufgabe des Staates sieht Paulus darin, dass die Regierung dem Menschen dienen und ihm zugute kommen soll (V.4) Sie soll keinen despotischen Selbstzweck erfüllen und Paulus fordert weder blinden Gehorsam gegenüber willkürlicher Herrscher, noch stumpfes Bejagen eines Unrechtsstaats – denn in der Ordnung, die Paulus aufzeigt geht es darum, dass man nichts zu fürchten hat, wenn man etwas Gutes tut, sondern Konsequenzen tragen muss, wenn man das Recht bricht. Das lässt sich in einem Unrechtstaat so nicht finden. Und Gut und Böse richten sich bei Paulus an den Maßstäben Gottes und nicht an jeder beliebigen Staatsform aus. Das bedeutet, dass es sich nicht um stummes Akzeptieren unrechter Strukturen gehen kann. Das würde sonst im Kontrast zu Römer 12 stehen, wo wir aufgefordert werden uns nach Gottes Maßstäben auszurichten, die die Liebe zum anderen im Blick haben. Es würde auch im Gegensatz zum Votum aus Apostelgeschichte 4 und 5 stehen, dass wir Gott mehr gehorchen müssen als den Menschen. Widerstand gegen den Staat kann zur christlichen Pflicht und Nicht-Widerstand zur Komplizenschaft mit der Sünde werden.


Doch Paulus hat hier nicht die Extremposition im Blick, sondern das Prinzip, dass wir Menschen, die Verantwortung in Führung und Leitung übernehmen, respektieren und ehren, für sie beten und segnen sollen. Nicht weil sie alles richtig machen, sondern weil wir ihnen unterstellen, dass sie das Richtige tun wollen.


Unterordnung bedeutet, dass ich Entscheidungsträgern unterstelle, dass sie ihre Verantwortung ernstnehmen.


Das bedeutet für mich gerade Folgendes: Ich vertraue Frau Merkel, dass sie in den Auflagen der Corona-Krise nicht an sich gedacht hat, sondern überlegt hat, was das Bestmögliche für dieses Land ist. Ich vertraue, dass sie ihr Mögliches tut, Experten und Berater in die Entscheidungen einzubeziehen und dieses Land weise führen möchte. Ich halte es für absurd zu denken, dass sie in irgendeiner Weise persönlich Profit aus der Krise schlagen möchte oder mit Bill Gates unter einer verschwörerischen Decke steckt.


Es bedeutet nicht, dass man alles gut finden muss und es bedeutet auch nicht, dass es die beste Entscheidung war. Es bedeutet auch, dass ich anderer Meinung sein darf. Es bedeutet auch meine Meinungsfreiheit und mein Demonstrationsrecht und andere rechtstaatlich verankerte Rechte wahrzunehmen. Ich darf und soll meine Regierung an ihre Unterlassungen erinnern. Auf Ungerechtigkeiten aufmerksam machen und Missstände anprangern.


Aus der nichtverantwortlichen Position lässt sich das allerdings viel leichter sagen. Wir werden von Paulus daran erinnert, dass egal in welche Verantwortung wir gestellt wurden der Maßstab an dem wir gemessen werden die Liebe ist. Wir sollen zwar respektvoll sein gegenüber Menschen, die Respekt dadurch verdienen, dass sie Verantwortung für Menschen übernehmen. Aber darüber hinaus schulden WIR allen Menschen, dass wir sie nach dem Vorbild Jesu lieben.


Der Fokus ist nicht mich an Verantwortungen abzuarbeiten, die nicht meine sind, sondern die zu übernehmen, die mir anvertraut wurde und mein Leben lang mein Fokus bleiben soll.


„Zieht euch ein neues Gewand an: Jesus Christus.“ V.14

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