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  • Autorenbildfraeulein_franzi

Mündig glauben. (Gal 4,1-11)


Was bedeutet es für dich „mündig“ zu glauben?

Ich muss bei dieser Frage an den Religionsunterricht aus der elften Klasse denken. Wir nahmen gerade Ludwigs Feuerbachs Religionskritik durch. Als Oberstufenschüler und -Schülerinnen wurden wir aufgefordert uns kritisch mit dem christlichen Glauben auseinander zu sehen. Rückblickend dekonstruierten wir eine Basis, die bei den wenigsten von uns überhaupt konstruiert worden war. Ich fand es interessant, aber nicht wirklich relevant. Ich erinnere mich an eine Situation im Klassenraum. Ich hatte mich zu Wort gemeldet und gesagt, dass ich das für wahr halte, was in der Bibel zur Auferstehung steht und tatsächlich glaube, dass Gott das Universum geschaffen hat. Meine Lehrerin lächelte und meinte: „Ach, in deinem Alter habe ich das auch noch geglaubt. Doch im Studium hat sich mein Kinderglaube verändert.“


Frau B. war damals ungefähr so alt wie ich und wir waren ihre erste Klasse. Ich war 17 Jahre alt und hatte laut ihr einen Kinderglauben. Hielt Dinge für wahr, die ein mündiger Glauben überwinden würde.

Ich habe den Eindruck, dass das Verständnis verbreitet ist. „Ein mündiger Glaube nimmt nicht alles für bare Münze“. „Heute weiß ich mehr als früher und glaube daher nicht mehr alles, was mir als Kind beigebracht wurde.“


Während das zum einen auch wahr ist, glaube ich, dass Mündigkeit im biblischen Text eine andere Zielrichtung hat.


Mündigkeit hat mehr mit mir zu tun als mit dem Inhalt des Glaubens. Mündigkeit bezieht sich auf den Reifeprozess des Menschen. Es geht nicht darum, dass ich alles verstanden oder im Griff haben muss. Es geht nicht darum den Glauben komplett zu rationalisieren oder zu dekonstruieren. Es geht darum, ob ich mündig werde. Kein Kind mehr, sondern eine Erwachsene bin.

„Solange der Erbe noch unmündig ist, unterscheidet ihn nichts von einem Sklaven, obwohl er doch der künftige Herr des ganzen Besitzes ist.“ [V. 1]

Mündig glauben heißt in Verantwortung hineinzuwachsen. Sich im Glauben nicht als Sklave, sondern als Erbe und Erbin der Ressourcen Gottes zu verstehen.


Mündig im Glauben sein, bedeutet, dass wir mit der Selbstverständlichkeit eines Sohnes und einer Tochter auftreten. Rechte und Pflichten wahrzunehmen.


Mündig glauben heißt aus freien Stücken zu vertrauen.

„Jetzt aber kennt ihr Gott, oder vielmehr Gott kennt euch.“ [V.9]

Das Geheimnis eines mündigen Glaubens liegt nicht darin, dass ich alles verstanden habe. Unglaubliches entlarvt und Spannungen aufgelöst hätte.


Mündiger Glaube bedeutet Gott zu kennen und in einer verantwortlichen Beziehung zu ihm zu stehen.


In einem Vertrauen, dass nicht nur ich Gott vertraue, sondern auch Gott mir vertrauen kann.


Kann er?

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