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  • Autorenbildfraeulein_franzi

Die Welt steht Kopf. [Römer 1,18-32]

Aktualisiert: 26. März 2021


„Erfinderisch, wenn es darum geht, Böses zu tun.“ Was fällt den Menschen nicht alles ein, um einander Böses zu tun. Die hässlichsten und abscheulichsten Dinge, die man sich vorstellen kann, haben Menschen einander angetan. Ich erinnere mich darin, dass ich im Geschichtsstudium eine Hausarbeit über nationalsozialistische Verbrechen in Polen recherchierte und mir beim Lesen der Quellen schlecht wurde und ich manchmal nicht weiterlesen konnte, weil die beschriebene Grausamkeit meine Fantasie in Abgründe führte. Aber man muss nicht weit in die Geschichte zurückgehen, denn die Grausamkeit gegen Menschen zeigt sich auch heute noch täglich, manchmal in kaum zu ertragenem Maß. Angesichts der Ungerechtigkeit in der Welt, könnte man einfach nur schreien und weinen. Zorn ist eine angemessene Reaktion auf Ungerechtigkeit. Sie ist die passende Emotion. Wenn eine Person, die du liebst, böse verletzt wird oder sogar umgebracht wird, ist Wut angebracht. Gott ist wütend über Ungerechtigkeit und sein Zorn ist die das Gegenstück zu seiner Liebe. Zum einen ist das gut und zum anderen kann und will ich auch die Bedrohlichkeit hinter der Aussage nicht auflösen.

Die Ungerechtigkeit in dieser Welt verläuft sich bei Gott nicht ins Leere - sie ist offensichtlich und schreit schrill nach oben. Die Welt steht Kopf und ist ganz schön verdreht. Der Mensch soll als Ebenbild Gottes Verantwortung übernehmen. Er ist berufen sein Bild in diese Welt zu tragen und Träger seiner Liebe und Gerechtigkeit zu sein.


Dieses Kapitel hält uns den Spiegel vor, dass der Mensch Gott nicht Gott sein lässt, sondern selbst die Spielregeln festlegt und damit in einen nicht endenden Machtkampf mit anderen Menschen getreten ist. Böses bringt Böses hervor, Hass produziert Hass und die Ungerechtigkeit lässt neue Ungerechtigkeit entstehen. Kann es auch tröstlich sein, dass ein heiliger Gott das ultimativ nicht einfach ignorieren wird?


Was wäre, wenn ich bei der Aufzählung aber nicht nur an andere (wirklich böse) Menschen denke. Nicht an verübte Gräueltaten der Geschichte und der Gegenwart. Was wäre, wenn ich für einen kurzen Moment nicht mit dem Finger auf andere zeige, sondern das „Erfinderische, Böses zu tun“ in meinem eigenen Herzen aufsuche.


Da muss ich nicht lange suchen. Wenn ich dieses Kapitel nicht als Zustandsbeschreibung für andere lese, sondern als Spiegel vor mich halte, kommen ganz ehrliche Fragen auf:


Wie gehe ich damit um, wenn ich Böses in mir entdecke?


Lass ich Gott wirklich Gott sein?


Oder meine ich nicht auch, dass die Welt doch etwas besser wäre, wären alle Menschen etwas mehr wie ich?

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